„Wiege der Nachhaltigkeit“

Die Wurzeln der Nachhaltigkeit in der Reformation bei Luther und Melanchthon sind heute jedoch weitgehend unbekannt. Heute wird also an eine alte Idee der Wittenberger Reformer neu und in kreativer Weise angeknüpft.

luther


Die Reformationsregion – Wiege der Nachhaltigkeit

Der Wald war zur Zeit der Reformation die Basis des Lebens. Er bot Nahrung für Mensch und Vieh, lieferte das Material zum Hausbau, der Wohnungseinrichtung und zur Beheizung der Häuser. Holz war der universelle Werkstoff. Viele Gewerke waren auf den Wald als Rohstoffquelle angewiesen. Man benötigte Holz im Haus- und Brückenbau, in der Salzsiederei, für Mühlräder und -werke, für das häusliche und kirchliche Mobiliar, für alle Gerätschaften des täglichen Bedarfs. Ackergeräte und Erntewagen der Bauern waren aus Holz und nur mit Eisen verstärkt, ebenso die Schaufeln, Rechen, Gabeln und Vorratsfässer. Das Grundmaterial dazu lieferte fast unerschöpflich der Wald. Bauern, Handwerker und Tagelöhner waren für ihre Arbeit und ihre tägliche Reproduktion auf das Holz angewiesen. Die Waldfrüchte, Eicheln und Bucheckern aber auch Heidel-, Walderd-, Brom- und Himbeeren sowie Pilze, waren relativ zuverlässige Nahrungsquellen – erstere besonders für das Vieh. Laub- und Nadelstreu diente zur Stalleinstreu, die dann als Mist der Felddüngung zugutekam. Der Wildbestand bot willkommene Abwechslung in der eintönigen Speisefolge der Menschen.

Hirschkampf_1876

Infolge einer damals zunehmenden Holzverknappung reifte unter den Reformatoren LUTHER und MELANCHTHON die Erkenntnis, dass die vielseitige Nutzung der universalen Ressource Wald auch den nachfolgenden Generationen zu sichern sei.

Bild4

„Und wenn die Welt morgen unterginge, so würde ich dennoch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Martin Luther

Beide klagen darüber, dass die Holzvorräte in der Wittenberger Gegend knapp geworden waren, andererseits aber in den entlegenen Teilen der Dübener Heide noch viel Holz verfaulte, da ein Wegenetz fehlte (1538 erste überlieferte Waldzustandserfassung). Hintergrund ihrer Sorge war die Befürchtung, dass infolge des Verlustes der Multifunktionalität des Waldes und einer zunehmenden Holzverknappung, die Bauern in andere Städte abwandern; was den Niedergang der Stadt Wittenberg und der Region zu Folge haben könnte.

Noch zu Luthers Lebzeiten, 1543, unter Kurfürst Moritz, werden daher in einer ersten Forstordnung, erste waldwirtschaftliche Anweisungen für das Amt Colditz im Leipziger Kreis und damit auch für die Dübener Heide erlassen. Diese Forstordnung hatte damals Vorbildwirkung für alle sächsischen Gebiete. Folgerichtig trat fünf Jahre später, am 08.01.1548, ca. zwei Jahre nach Luthers Tod, die erste nachweisbare „Holtzordnung“ der Welt in Kraft.


Richtungsweisend für die damalige Forstwirtschaft wurde dann, einige Jahre später, am 8. September 1560 die „Forst- und Holzordnung“ des Kurfürsten August I. von Sachsen (1553-1586) erlassen. Sie war ebenfalls beispielgebend für ihre Zeit und blieb für lange Zeit die Arbeitsgrundlage der Forstbediensteten. Konzipiert wurde sie für die Ämter Schwarzenberg und Crottendorf im Erzgebirge. Sie galt aber wegen ihres umfassenden und allgemein gültigen Textes für alle landesherrlichen Waldungen des Kurstaates, auch für die Dübener Heide.


Bis heute gilt diese Ordnung, aufgrund ihrer umfassenden und zweckmäßigsten waldpflegerischen Bestimmungen und Einschränkungen zur Waldbewirtschaftung und Holzmarktregelung bei den Forsthistorikern übereinstimmend, als die beste Forstordnung, unter den frühen Forstgesetzen zu Beginn der Neuzeit, nicht bloß des 16.Jh.. Noch vor der 1568 erschienen bayrischen Forstordnung enthält sie umfangreiche waldpflegerische Bestimmungen.

P1120947Die heute so natürlich wirkende Landschaft der Dübener Heide wurde also von Menschen der Wittenberger Region geschaffen.

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